nach 165 posts habe ich heute endlich den geplanten reset durchgeführt, dh. alle beiträge dieses blogs wurden samt der kommentare gelöscht.
die leser konnten hier seit mehr als einem jahr einblick in mein literarisches arbeiten nehmen, manchmal sogar in mein privatleben. eine erfreuliche entwicklung war, dass immer mehr kommentare zu den beiträgen hinterlassen wurden, worunter sich, nebst der üblichen ‘kilroys’, auch einige spannende auseinandersetzungen fanden.
es hat sich gezeigt, dass dieser blog hauptsächlich die funktion eines persönlichen arbeitstagebuchs erfüllte. nachdem nun die arbeit am geplanten gedichtband für james&warrington abgeschlossen ist, sehe ich keinerlei grund die skizzen zu den gedichten weiterhin öffentlich zugänglich zu machen. sie standen lange genug zur diskussion frei und werden nun für die endgültige publikation auf papier überarbeitet. selbstverständlich hätte ich mir intensivere diskussionen um diese gedichte gewünscht, die erfahrung zeigte jedoch, dass sich (auch auf anderen literarischen weblogs) selten literarische auseinandersetzungen an den texten selbst entzünden.
sehr lehrreich war es (und ist es noch) zu beobachten, wie andere autoren mit ihren literarischen weblogs umgehen. den autoren von litblogs wie auch hor.de gilt mein verstärktes interesse. die unterschiedlichkeit der ansätze (vgl. zb. zehnzeilen und die dschungel. anderswelt) brachte mich oft zum nachdenken über die eigene herangehensweise. hierbei fiel mir in aller deutlichkeit auf, wie unreflektiert ich mit dem medium weblog umging und wie wenig ich die damit verbundenen möglichkeiten ausschöpfte. besonders anh öffnete mir bezüglich des verständnisses literarischer weblogs nicht selten die augen
“(…) da Die Dschungel sich von den meisten Weblogs insofern unterscheiden, als sie eben nicht nur ein Publikationsorgan im Netz sind (das man sich ebenso als Printmedium vorstellen könnte), sondern eines, das eine Netz-ästhetik als formende Grundlage hat (…)” aus: die dschungel. anderswelt 10. November 2007
im gegensatz zu den dschungeln war/ist dieser blog nicht mehr als ein publikationsorgan im netz. ich werde in zukunft zwar versuchen bewusster mit dem medium umzugehen, doch wird mir dieses weblog auch weiterhin hauptsächlich als arbeitstagebuch dienen. ich würde mich sehr darüber freuen, wenn die leser auch weiterhin meine arbeiten kommentieren; auch kritik ist mir immer sehr willkommen.
ab morgen geht es also in phase II.
mit freundlichen grüßen
k.yamamoto
12 Kommentare zu “phase II: reset”
November 12th, 2007 at 02:46
Bist du sicher, dass eine Diskussion der Texte, die dann viel Formales einschlsse, dir hilfreich gewesen wre? Ich habe frher selbst vieles offen besprochen und fand das toll und dachte, dabei zu lernen, aber das denke ich heute nicht mehr. Es lenkt nur ab, verwssert, glttet. Wenn es nicht blo Zeit kostet. Hierzulande ist es nun ganz unblich geworden. In Russland durfte ich eine fr mich erstaunliche Lesung erleben: man klatschte nicht, man diskutierte. Aber es ging nicht darum, die Texte zu verbessern, sondern darum, sie zu verstehen. Man erwartete von mir, meine Entscheidungen zu verteidigen. Das tat ich gern und sah den Nutzen gleich ein. Es war nicht mein Nutzen, es machte nur Spa. ber Blogkommentare kme auch der nicht, nicht wenn nur wenige Beteiligte aus eigener Praxis heraus erfassen knnen, worum es geht. Diese Erfahrung machte ich in Lyrikforen - immer wieder erklren, dass der Text z.B. Regeln hat und die drin stehen, der Rhythmus sich aus dem Gegenstand ergab, die Reihe der Vokale nicht einfach verndert werden kann, auch wenn es dann gedichtiger klnge, usf. - nee. Im “eingespielten Team”, mit einer guten Freundin errtere ich jede Zeile, manchmal wochenlang, aber ffentlich zerreden will ich nichts. Das geht so weit, dass die Texte, an denen ich arbeite, im Blog nicht erscheinen. Da stehen Spielereien, Fingerbungen, vergngtes Gebldel, Notizen zu Irritierendem (Weblektre-Log), das ich mir merken will. Ich schlage stndig bei mir nach - und freue mich, wenn ich in Kommentaren Ergnzungen erhalte, auf Fehler hingewiesen werde, oder sonst Erfreuliches lese.
Vielleicht wre es leichter, zu einer fruchtbare Diskussion zu kommen, wenn man seine Texte erlutert, ihren Zweck, ihre Form, wie man zum Material kam, die Verfahren - wie es Majakowski in “Wie man Verse” getan hat -, nicht nackt hinstellt. Aber was fr ein Aufwand. Wie viel Zeit fehlte dann fr die Arbeit selbst. Das kann man selten machen, exemplarisch oder in Not, wenn man nicht weiter wei. Mehr wohl kaum.
***
Lsst der Verlag dir die Mglichkeit, die Gedichte (in der endgltigen Fassung) auch online zu zeigen? Das wre sehr verkaufsfrdernd.
November 12th, 2007 at 08:04
Hallo Ken,
auch wenn ich eher eine der stillen Leserinnen bin, so lese ich doch jedes Deiner Werke mit groem Interesse. Deshalb bin ich auch schon sehr gespannt auf Phase II
Liebe Gre
Silvi
November 12th, 2007 at 12:27
muss ich mich jetzt schlecht fühlen, weil mein blog “nur” ein publikationsorgan ist?
ich sehe das eigentlich gar nicht als manko, im gegenteil: der arbeitstagebuch-charakter ist doch gerade das, was solche blogs ausmacht… die persönliche - auch textliche - entwicklung über die zeit.
aber ich verstehe Deine entscheidung, wir hatten es ja neulich schon davon. bin schon sehr gespannt auf die veröffentlichung…. und wenn sich was wegen des termins ergibt, dann weisst Du ja, wo Du mich findest.
liebe grüsse
annina
November 12th, 2007 at 12:55
@dirk: vielen dank für den ausführlichen kommentar. die anekdote mit der lesung in russland finde ich äußerst spannend. sicher hast du ebenso recht mit dem immensen zeitaufwand, den solche diskussionen mit sich brächten. ich wünschte es mir auch gar nicht als ‘normalzustand’; ab und an genügte schon. wer weiß: vielleicht würde ich solche auseinandersetzungen nicht einmal durchstehen, würde in meiner argumentation schon vorher in die knie brechen und “ich mache was ich will wie ich es will!!!” brüllend den computer zerstören. ob ich die fertigen gedichte nochmals online stelle muss ich überdenken… wieso verkaufsfördernd?
@ traummond: auch die stillen leser sind mir wärmstens willkommen!!!
@annina: nein. du musst dich keineswegs schlecht fühlen. hier ist wie gesagt auch nicht mehr los. ich finde es lediglich spannend, wenn die autoren das medium, mit welchem sie arbeiten hinterfragen und bewusst ausschöpfen. dies ist aber weder pflicht noch zwang noch voraussetzung für einen blog, den ich gerne lese…
ich weiß wo ich dich finde! schön nicht wahr?
November 12th, 2007 at 15:47
Tschuldigung, ich sollte nicht mitten in der Nacht kommentieren. Was für ein Gestammel. Hier zumindest eine Korrektur: “Wie macht man Verse” heißt der erwähnte Aufsatz richtig.
Zur Verkaufsförderung: zu Zeiten der Textgalerie erlebte ich oft, dass Autoren ihre Texte löschen wollten, wenn sie als Buch erschienen waren. Das tat ich dann. Immer wieder hörte ich, dass es die Verlage seien, die sagen: wenn du es in Netz stellst, können wir kein Buch verkaufen. Ich wollte herausfinden ob das stimmt, und beobachte seitdem verschiedene Buchprojekte, einige Hundert inzwischen. Die Ergebnisse sind eindeutig: der Gedichtband eines wenig bekannten Autors, der komplett online ist, verkauft sich 3-4 mal besser als einer, der nicht im Netz ist. Ausführliche Leseproben bringen nur noch den Faktor 1,3, knappe gar nichts. Noch drastischer fällt das bei BOD oder Lulu-Publikationen aus. Da ist man schnell von 2-3 Exemplaren die Woche auf null runter, wenn man die Website mit den Texten löscht.
Das ist auch verständlich. Nur der bekannte Autor kann seinen Namen verkaufen. Die übrigen müssen auf die Texte setzen. (Die z.B. gefallen und darum gerne verschenkt werden.) Die Katze im Sack kauft keiner. Ich habe allerdings auch von prominenteren Leuten gehört, dass sie mit Gratis-Internetangebot (der gleichen Texte) deutlich mehr verkaufen. Das natürlich (bei den Prominenten) nur in den USA. Hierzulande werden die Gedichte lieber beschützt als verkauft. Denn es gilt ja: je weniger es lesen, desto besser muss es sein.
November 20th, 2007 at 17:34
Lieber Yamamoto,
machen Sie sich bloß keine Gedanken wegen Ihrer Publikationsform; jedenfalls nicht meinetwegen. DIE DSCHUNGEL ist ein langsam entstehendes, werdendes Netzprojekt, das sehr bewußt mit den Möglichkeiten des Mediums erzählen will, das ausprobieren will, zum Beispiel, wie sich Romane in den Zeiten ihres Entstehens miterzählen, nahezu in Echtzeit. Das zugleich immer auch refelektiert, was es tut. Ich habe das als “Literarisches Weblog” definiert, was aber nicht bedeutet, es gebe nicht andere Weblogs, die Literatur vermitteln. Wenn meine Definition, die ja eine Setzung ist, zu Ausschlüssen führte, täte mir das leid und weh.Es entstehen im Rahmen Der Dschungel auch immer wieder Personen, die mitschreiben, und Avatare mischen ungeschieden sich unter Realpersonen, welche dadurch ihrerseits zu Avataren werden, also zu literarischen Figuren selber. Das ist aber m e i n Ansatz, der die traditionelle Narration in das neue Zeitalter der technischen Bilder hinübergeleiten will und nach Formen sucht, sie zu erhalten. Gegen Mitstreiter auf diesem Weg habe ich wirklich nichts, aber auch nichts dagegen, daß jemand wie Sie auf ganz herkömmliche Weise, nur eben auch im Netz, publiziert. Erzähler wie Peter Kurzeck zeigen, daß Dichtung durchaus auch noch an der Schreibmaschine oder sogar per Hand entstehen kann. Da gibt es für mich gar keinen Zweifel. Es interessiert mich nur nicht mehr so, nicht als Produktionsprozeß, wohl aber als fertiges Werk.
November 20th, 2007 at 18:13
P.S.: Ich habe den Begriff “Literarisches Weblog” so definiert, um deutlich zu machen, daß es selber literarisch ist; seine Form ist Literatur. Das ist etwas anderes, als wenn Literatur allein die in ihm veröffentlichten Beiträge sind.
Deshalb halte ich an meiner Definition auch fest.
November 20th, 2007 at 20:14
sehr geehrter ANH,
vielen dank für ihren kommentar. ich denke mein post ist etwas missverständlich gewesen. ich wollte mich nicht meinen eigenen blog entwertend äußern, sondern wollte DIE DSCHUNGEL, wie auch hor.de als besonders interessant herausstellen. diese blogs halte ich für besonders reflektiert was das verständnis des mediums angeht. mein verständnis der “literarischen weblogs” hat sich (seit ich mit meinem ersten post begann) mittlerweile verändert. ich genieße es blogs zu verfolgen, die sich der besonderheit dieser publikationsform bewusst sind und diese theoretisieren. dennoch wird dieser blog wohl weiterhin funktionieren wie bisher und das sehe ich keineswegs als bedauernswert an. ich habe ihre definition keineswegs als affront aufgefasst, sondern mit besonderem interesse gelesen. ich bin schon sehr gespannt auf ihren artikel in der sonderausgabe der SPATIEN.
mit freundlichen grüßen
k.yamamoto
p.s. übrigens wünsche ich ihnen großen erfolg mit der werkstatt!
April 11th, 2008 at 13:12
lieber Kenn!
wir kennen uns erst seit gestern Abend bei der Ausstellungseröffnung in Münster!
aber ich bin sehr überrrascht - von Deinem schon so grossem Werk
vor allem über Deine Sprache - Ausdruck
ich freue mich jetzt noch mehr darüber - Dich
kennengelernt zu haben - Danke - für Deine
Freundlichkeit (wo ich doch sooo alt bin!)
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