Seit jeher, hier, Schnee.
Halt ein, es schneidet kristallen
sich eine Zäsur
in die hastenden Glieder,
dämpft alles Poltern
und Klappern der kehligen Laute.
An Keime bindet sich‘s,
weiß
und weiß
wirklich alles.
Es fallen den Kindern
in Flocken, Vokale
herab von den Lippen,
gefolgt nur von Schweigen,
von rissigem, sprödem,
das einlullt
den Tod auf der Straße
und weiß
wirklich alles.

Im Wasser,
im hexagonalen,
harrt ein Memento
gefrorener Münder,
ist leid
die hetzenden Glieder
und müde,
bindet das Rasen,
das surrende Toben
stockend ins Starre.

Im Netz
hängen wir,
da friert es nicht
weiß
und weiß
wirklich nirgends,
die zappelnden
Nullen und Einsen
täuschen uns nicht.
Wir schreiten auf Split,
im Knarzen des Tritts,
ein Memento.

Und wenn
du gern dazu tanztest:
Du kannst nicht.
Es ist keine Fläche dafür,
kein Schwarzlicht, kein Bein zuckt,
keine Stroskopblitze,
kein Bass pumpt hinein in den Magen,
kein Becken ins Becken,
du kannst nicht aus dir heraus.
Herinnen bahnt es den Weg,
ein Knirschen auf Kieseln
beim Abendspaziergang.
Wie gerne fände ich tags darauf
einen Stempel auf meiner Hand
und schrubbte mit Seife,
Restalkohol in den Adern,
die Spur in den Abfluss.
Wir schwitzten nicht
und nickten nicht mit den Köpfen,
es schüttelte uns.
So sah ich das Leichte in dir versickern,
die Muskeln verhärten,
die Strenge des Blicks sich verlieren
im kurzbemessenen Brennpunkt,
hängtest du schließlich dein Kleid
zurück in den Schrank
und stelltest die Schuhe dazu.

Wie fröstelte dich diese Grisaille,
in der  Hand einen Pinsel
dazu keine Farben zu malen.
Kein Bild aufzuhängen,
zu verschönern die Stube,
die dalag, geordnet ins Taglicht,
verbunden in Bögen so groß,
dass kein Ende ersichtlich.
Ach Liebchen, wie wortverhangen
zermürbte ich dich, bildschirmverweht,
nah den welkenden Blumen,
den überfälligen Rechnungen,
dem überquellenden Müll.
Mein schlurfender Schritt
musste dich ängstigen,
ein Schaben und Scharren
im Schädel, ein Röcheln,
ein Rasseln der Lunge,
mein tönendes Leben,
du tanzt nicht dazu,
es ist keine Fläche dafür.

Tat als umspannte ich
mit sicherem Becken die Wogen,
noch heute lächelt dein Leib
über mein Greifen, mein Krallen,
mein unbeholfenes Stolpern,
ich lachte dabei
fuhr mir der Wind in den Rachen,
ersetzte das Atmen,
wie war ich dir dankbar,
wie leicht meine Brust,
ein Sekundenjahr, ja,
fast ein Leben.
Du holtest dein Kleid
aus dem Schrank
und trugst auch die Schuhe dazu,
an der Hand, mich,
seitenverwittert und froh,
beinah furchenlos glücklich,
mein tönendes Liebchen,
das Knirschen auf Kieseln
beim Abendspaziergang,
es hallt noch in uns,
in der Stube, im Taglicht
sitzen wir beieinander herinnen
und lauschen heraus.

Verbunden in Bögen so groß,
dass kein Ende ersichtlich,
deutest, nur selten, du mich,
als stolpernden Satz, als Geste,
als Gruß aus der Ferne, als Bild,
mein farbsüchtiges Liebchen,
schreibe dich tanzend und tönend,
im Kleid mit den Schuhen
auf eine Fläche dafür.

Am Fuß der Kreidefelsen lag,
auf einem Totenbett aus Feuersteinen,
umspült vom Rauschen des Meers,
ein Reh: die Augenhöhlen leer,
die Innereien nach außen,
das Geäse weit offen
im Schreck.

Ich positionierte mich,
kniete nieder davor
und machte ein Foto;
versuchte das Grauen
möglichst zeitlos
in Szene zu setzen.

Sicher hatte es
(wir kennen das)
plötzlich den Boden
unter den Füßen verloren
und war in die Tiefe gestürzt.

Später sagte einer,
nachdem er schweigsam,
lange und eingehend
das Bild betrachtete:
schön!

Wie sehr wir auch wünschten,
dass endlich
ein Ruhen einkehre,
Tage und Nächte durchmischt
zu Wochen und Jahren,
zu einer Geschichte,
erzählbar,
wie sehr.

Kreuz und quer durchs Gelände
die Fahrten,
Notizen am Kühlschrank,
freundliche Ansichten,
die Kirchen und Täler
und die Monumente,
doch nirgends dazwischen
mein Mantel.

Wir fassten nicht Fuß
und lagen uns in den Armen,
ineinander verschränkt
tauschten wir
Kälte und Speichel,
verdeckten die Sicht.

Nur ein paar Hügel weiter
verlor eine Säule ihr Kapitell,
neigte sich
um ein Grad zuviel
ihrer Geschichte entgegen
und keinem
fiel’s auf,
wie die Voluten
sich dumpf
in die Erde gruben.

Ein Junge verkauft
kühle Getränke:
wir trinken
Flasche um Flasche,
der Durst
ebbt nicht ab,
so verdorrt sind die Felder
und keine Schatten
säumen die Straßen.

Tage und Nächte durchmischt,
wir fassten nicht Fuß
und keinem fiel’s auf.

Die Hauptstädte brodeln,
dort kocht das Blut
in den Adern
und Schweiß mischt sich
mit Schweiß,
die Jugend vergeht nicht,
kein Licht, das nicht blinkt
in die Ferne,
dort träumt es
auf dem Land sei es ruhig.

Eine Nachricht
und noch eine Nachricht
vom anderen Ende,
schon kocht das Blut
in den Adern.

Es sammeln sich Massen
in Shorts und Sandalen
um eine trauernde Mutter,
den Sohn in den Armen,
dass sie erkaltet
zu Marmor
vor Scham
und draußen flattern
eintausend hässliche Tauben.

Wir trinken
Flasche um Flasche,
der Durst
ebbt nicht ab
und lachen
und essen dabei,
dass am Ende des Tages,
die Tischdecken schmutzig
und alle Teller geleert,
wir uns in den Armen liegen,
ineinander verschränkt.

Viele Geschichten
sind keine Geschichte,
wir suchen nach Titeln,
Mosaiken verwittern
zwischen den Fingern
zu farbigen Steinchen,
zu verlorenen Bildern.

Kreuz und quer durchs Gelände
den Pass griffbereit
über Grenzen,
eintausend hässliche Tauben,
wir fassten nicht Fuß.

In Socken hock’ ich in der dunklen Diele,
Einen Schuh in der Hand, in Gedanken.

Hier ist’s nicht lichtdurchflutet, eher eine
Gräuliche Ebbe, vorhanggefiltert und matt

Und still, bis auf die wenigen Geräusche,
Sich gedämpft durch die Fenster kämpfend.

Da murmelt’s und nuschelt’s von draußen
Ein paar unverständliche Satzfetzen herein,

Ein wenig Raum, sich die Welt auszumalen,
Frei, nach derart spärlichen Informationen.

Beinahe weiß, mit flüchtigen Bleistiftstrichen,
Ein Bogen Papier, für Phantasien noch offen

Wie ein Wolkengebilde oder Rorschachtest,
Aber in solcherlei Spielen bin ich nicht gut.

Eingehend und stumm studier’ ich die Sohle:
Sieht ganz danach aus, als lief’ ich nicht viel.