KEN YAMAMOTO

Vor ein paar Jahren musste ich mich im Rahmen des ABC-Festivals in Augsburg mit Brecht auseinandersetzen. Damals rezitierte ich die "Ratschläge einer älteren Fohse an eine jüngere". Ich hatte zuvor die Gesamtausgabe seiner Gedichte durchforstet und nach langem Lesen feststellen müssen, dass es mir äußerst schwer fiel, Gefallen an seiner Dichtung zu finden, obwohl mich dutzende Verse schwer beeindruckten. Trotzdem besuchte ich später noch Brechts Grab auf dem Berliner Dorotheenstädtischen Friedhof. Keine Ahnung was ich mir davon erhofft hatte. Danach verschwand er wieder in den Untiefen der deutschen Dichtung, bis vor kurzem. Für den Poetry Slam in der BMW Welt muss ich mich nun erneut auf Bertold einlassen. Zur Rezitation wurde mir sein Gedicht 'Legende von der Entstehung des Buches Taoteking auf dem Weg des Laotse in die Emigration' zugeteilt. Als ob das nicht genügte, muss ich auch noch ein Antwortgedicht darauf verfassen. Das Problem ist sicherlich nicht das Gedicht selbst, denn dieses gilt, so heißt es, als eines seiner wichtigsten Emigrationsgedichte. Hannah Arendt berichtet von der Wirkung, des Gedichtes auf die Exildeutschen in französischer Gefangenschaft: „Wie ein Lauffeuer verbreitete sich das Gedicht in den Lagern, wurde von Mund zu Mund gereicht wie eine frohe Botschaft, die, weiß Gott, nirgends dringender benötigt wurde als auf diesen Strohsäcken der Hoffnungslosigkeit.“ Das Problem liegt viel mehr darin, dass es sich nicht besonders für die Rezitation auf einem Slam eignet. Zu wenig Tiefen und Höhen. Kein Plot. Keine Pointe. Einfach ein Lesegedicht… und kein Vorlesegedicht. Außerdem: wer von Euch hat das Taoteking gelesen oder ist Daoist?