Und irgendjemandem gefiel dieser Stuhl nicht,
dass im Kleinsten, man nach und nach, unauffällig
ihn seinem Wesen entfremdete, darauf bedacht,
dass mir nichts weiter auffiel als wachsende Unrast.
Mag sein man hob, in nicht messbarer Manipulation,
die Fläche des Sitzes um den Bruchteil eines Grades,
dass ich kaum merklich rücklings in mich hineinsank,
mit jedem Tag mehr eine Verkürzung erleidend.
1 Table Ready: Nièpce, 1822.
Ich stell es mir so vor:
Nicéphore ist von Agnès enttäuscht.
Umgekehrt ist auch Agnès enttäuscht.
Er, weil sie nicht mal im Ansatz
die Tragweite seiner Erfindung versteht.
Sie, weil auf seiner Heliografie,
der Tisch nur für einen gedeckt ist.
Er: Begreifst du denn nicht,
Ich hab’s mit der Sonne gezeichnet!
Sie: Auch das will nicht heißen,
dass das Motiv scheißegal ist.
2 Boulevard du Temple: Daguerre, 1839.
Ich stell es mir so vor:
Ein Herr hält beim Schuhputzjungen
und lässt sich die Stiefel polieren.
Den linken zuerst,
danach auch den rechten,
dann wieder den linken
und nochmals den rechten.
Kutschen rattern vorüber –
Menschen eilen vorbei.
Und weil der Herr
einem Gedanken nachhängt,
und weil der Junge
einem Gedanken nachhängt,
vergeht eine Weile.
Die werden wohl ewig glänzen,
sagt schließlich der Junge.
Darauf der Herr:
Das sollte genügen.
3 Selbstporträt als Ertrunkener: Bayard, 1840.
Ich stell es mir so vor:
Die Welt tut ihm Unrecht
und Hippolyte wünscht sich tot.
Oh menschlicher Unbestand!
Und weil ihm die Welt Unrecht tut,
versucht er sich auszumalen,
wie es denn sei, tot zu sein.
Und weil er sich nicht ausmalen kann,
wie es denn ist, tot zu sein,
stellt er sich tot und porträtiert sich dabei.
Und als er dann sieht,
wie es aussehen könnte, tot zu sein,
lässt er es lieber.
4 Kaiser Maximilians Hemd: Aubert, 1867.
Ich stell es mir so vor:Ein jeder hat seinen ganz speziellen Gang.
Das ist so. Lektion Nummer eins: das bleibt auch so.
Nun stehen ausnahmslos alle Spielfiguren
zunächst in Reih und Glied geordnet da
und ja, genau da liegt auch der Hund begraben:
So kann es nicht bleiben – wir müssen uns bewegen.
Es gilt das Unabwendbare herbeizuspielen.
Etwas, am Ende des Denkens, das endgültig ist.
Es geht zuallererst um Stellungsbewertung.
Ein langfristig anvisiertes Ziel vor Augen,
ein planvoll daran ausgerichtetes Streben.
Im Schach, nicht im Leben. Uns geht es nur ums Spiel.
Es geht um einen streng begrenzten Raum
und beinah unbegrenzte Möglichkeiten,
ja, die Möglichkeit einer möglichen Möglichkeit
und deren Konsequenz im Blick zu haben.
¶
Im Wasser,
im hexagonalen,
harrt ein Memento
gefrorener Münder,
ist leid
die hetzenden Glieder
und müde,
bindet das Rasen,
das surrende Toben
stockend ins Starre.
¶
Im Netz
hängen wir,
da friert es nicht
weiß
und weiß
wirklich nirgends,
die zappelnden
Nullen und Einsen
täuschen uns nicht.
Wir schreiten auf Split,
im Knarzen des Tritts,
ein Memento.